Common questions: Stéphanie Mwamba

Common questions ist eine Serie von 10 Fragen an 10 Künstler*innen aus dem diesjährigen Programm des Zürcher Theater Spektakels. 10 Perspektiven, wie wir heute «Demokratie und Versammlung» denken und gestalten können. Die Antworten eröffnen persönliche, politische und künstlerische Perspektiven auf unser Zusammenleben, Öffentlichkeit, Verantwortung und die Möglichkeiten des gemeinsamen Handelns.

Die nächsten 10 Antworten kommen aus Goma, von Stéphanie Mwamba, die mit ihrem 30minütigen Tanzsolo KIZAZI den ZKB Publikumspreis gewann.

1. Wann fühlst du dich am meisten als Teil eines «Wir»?

Stéphanie Ich fühle mich als Teil eines «Wir», wenn meine Stimme neben den Stimmen der anderen zählt, wenn ich gehört werde und wir gemeinsam auf etwas Gemeinschaftliches hinarbeiten.


2. Vertraust du der Mehrheit?

Stéphanie Von welcher Mehrheit sprechen wir? Für mich ist die Mehrheit nicht immer gleichbedeutend mit Wahrheit oder Gerechtigkeit. Entscheidend ist auch, wie diese Mehrheit zustande kommt und ob sie die Rechte jeder*s Einzelnen respektiert.
 

3. Hast du dich jemals repräsentiert gefühlt? Und falls ja, von wem?

Stéphanie Nicht wirklich. Ich komme aus einem Umfeld, in dem sich manche Menschen als Stimme des Volkes darstellen, aber diese Vertretung kann aufhören, sobald ihre eigenen Interessen berührt werden.


4. Hältst du Demokratie für selbstverständlich – und wenn nicht, gab es einen bestimmten Wendepunkt?

Stéphanie Ich komme aus der Demokratischen Republik Kongo, einem Land, das sich namentlich als demokratisch definiert. In der Realität sind demokratische Prinzipien jedoch für viele Menschen noch längst keine Selbstverständlichkeit. Deshalb kann ich Demokratie nicht als etwas Gegebenes betrachten.
 

5. Was fürchtest du, in unserer Gesellschaft zu verlieren?

Stéphanie Unsere Menschlichkeit. Ich habe Angst, dass wir unser Mitgefühl verlieren, unsere Fähigkeit, uns um andere zu kümmern – insbesondere um diejenigen, die am verletzlichsten sind.


6. Was ist dein Beitrag zu einer demokratischen Gesellschaft?

Stéphanie Auf meine Weise leiste ich durch meine Kunst einen Beitrag. Ich mache die Bühne zu einem Raum für Ausdruck und freie Meinungsäußerung, in dem der Körper das sagen kann, was sich manchmal nur schwer in Worte fassen lässt.
 

7. Ist Demokratie gut für alle?

Stéphanie Das kann sie sein, wenn sie tatsächlich respektiert wird und die Rechte, Freiheiten und Würde jedes Einzelnen schützt. Eine Demokratie, die Menschen ausschließt oder unterdrückt, verliert ihren Sinn.
 

8. Was würde dich dazu bringen, eine Revolution zu starten?

Stéphanie Was ich erlebe und was ich im Osten der Demokratischen Republik Kongo sehe, ist bereits zutiefst erschütternd: Jahrzehnte voller Konflikte, Gewalt und Leid. Dreißig Jahre Krieg sollten eigentlich schon ausreichen, um ein kollektives Bewusstsein zu schaffen.
 

9. Leistest du aktiv Widerstand? Und falls ja, gibt es eine Sache, die wir alle tun sollten?

Stéphanie Für mich ist Tanz eine Form des Widerstands und des Zeugnisses. Manchmal ist er stärker als Worte.
 

10. Was war die letzte Nachricht, die dich glücklich gemacht hat?

Stéphanie Zu wissen, dass es meiner Familie gut geht, trotz der Entfernung und der schwierigen Situation in meinem Land. Es ist eine Kleinigkeit, aber für mich bedeutet es sehr viel.

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Welche Frage fehlt hier, sollte aber gestellt werden?

Stéphanie Was hindert uns daran, das Leid des anderen so zu sehen, als wäre es unser eigenes?

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Credits
Übersetzung auf Deutsch: Philine Erni
Foto: © Kira Kynd


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